Selbstfürsorge oder Egotrip?

Die Seelensachen sind für mich ein ganz besonderer Teil meines Blogs. Hier sprudeln oft Emotionen über und wenn ich dann Feedbacks bekomme, dass ich da etwas in euch zum Klingen gebracht habe, empfinde ich das als großes Geschenk.

Selbstfürsorge

Ich finde es auch fantastisch, wenn ich eine kritische Antwort bekomme bzw. wenn jemand etwas aus seinem Leben mit mir teilt und deshalb mit einem Thema auch im “negativen” Sinn hadert.

Genau so eine DN habe ich letztens über Insta bekommen, das Thema war : SELBSTFÜRSORGE.

Ich zitiere jetzt mal ein bisschen daraus, damit du weißt, worum es geht:

Ich stimme dir zu…Selbstfürsorge, gesunder Egoismus…..nur wenn es mir gut geht, kann ich auch geben…..und da sein für andere. 

 Stimmt alles!!!! Nur…….wenn sich jemand entscheidet, aus lauter Selbstfürsorge Menschen quasi auszusortieren, die stets da waren für einen, immer ein Ohr hatten, ohne zu bewerten……man sich alles sagen konnte, jeder Zeit…..ein intensiver Austausch stattgefunden hat…..bis dieser dann von jetzt auf gleich nur noch einseitig stattgefunden hat……mit der Begründung, dass man mehr mit sich selbst ausmachen müsse, ständiges Reden über Befindlichkeiten nichts mehr bringen würde……man vorsichtig aber bestimmt auch dazu angehalten wird…..sich der intensive Austausch mit einem lieben Menschen in eine Richtung verändert, in der jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird…

Man sich selbst nicht mehr traut, sich diesem Menschen, der Teil meiner Selbstfürsorge war……und ich Teil ihrer(!!)…wir immer froh waren uns zu haben……wenn man sich nichts mehr traut zu erzählen……Hm……das Gefühl hat, zurückgelassen worden zu sein…….zugunsten der Selbstfürsorge eines anderen….dann macht das was mit einem……

Selbstfürsorge vs. Egotripp

Diese Nachricht hat mich sehr berührt und seitdem begleitet mich dieses Thema mal immer wieder und ich möchte es einfach mal zu “Papier” bringen, welche Gedanken mir dazu so in den Sinn kommen.

Was ist da in dieser Beziehung passiert und wie kommt das bei mir als komplett Außenstehender an?

Für mich wirkt das nämlich so, als ob das Gegenüber, das sich hier gefühlt plötzlich aus dieser (einstmals) sehr innigen Beziehung zurückzieht, regelrecht “Schluss macht”.

Alles auf eine liebevolle Weise, allerdings mit dem Vorwand der “Selbstfürsorge”, wahrscheinlich, um sein Gegenüber nicht so sehr zu verletzen.

Das hat aber eigentlich so gar nicht geklappt, denn der andere versteht die Welt nicht mehr.

Eine als ausgeglichen empfundene Beziehung rutscht komplett in ein Ungleichgewicht.

Ein Satz ist mir dabei besonders ins Auge gesprungen:

 

….diesem Menschen, der Teil meiner Selbstfürsorge war……und ich Teil ihrer(!!)…wir immer froh waren uns zu haben……

 Teil der Selbstfürsorge eines anderen?

Als ich das gelesen haben, haben bei mir alle Alarmglocken geläutet , denn das gibt es in dieser Form für mich so gar nicht (mehr, das war früher bei mir nämlich genauso, wie ich im Laufe des Schreibens festgestellt habe ;-))))).

Selbstfürsorge, darin steckt schon das Wort “selbst“, hat nur mit einem selbst zu tun, ein anderer ist dafür nicht verantwortlich.

Was ich hier auch spüre: hier haben „die Anderen“ einen sehr hohen Stellenwert im Leben und das bringt einfach ziemlich viel Enttäuschungspotential mit sich.

Nebenbei bemerkt birgt das wahrscheinlich auch die Gefahr, es dem anderen immer recht machen zu wollen, weil man ja auch Angst hat, diesen zu verlieren.

Meine Geschichte

Ich hatte da schon mal eine Seelensache drüber verfasst : “Finde die Wurzeln in dir selbst”.

Da ging es aber ein bisschen mehr über die familiären Verstrickungen und nicht vordergründig um Freundschaften. Der Kern ist dennoch der gleiche und deshalb werde ich dir jetzt ein bisschen von meinen Erlebnissen erzählen.

Vor einigen Jahren hatte ich selbst eine sehr enge Freundin und diese Beziehung würde ich schon ein bisschen mit der Freundschaft vergleichen, wie sie in der  Mail beschrieben wird.

Unstimmigkeiten gab es offensichtlich keine, aber ab und an doch so kleine Verletzungen, die ich, wenn sie mich betrafen, meistens nicht zum Thema gemacht habe.

Im Umkehrschluss war es allerding anders, denn sie ist ein sehr direkter Mensch, vor allem immer dann, wenn es darum ging, dass sie etwas gestört hat, das ihr direkt zu tun hatte.

Also nicht „direkt“ im Sinn einer Holzfällertaktik und auch absolut sachlich und im richtigen Ton formuliert, aber irgendwann ist es dann aus ihr rausgeplatzt und sie hat mit mir darüber gesprochen.

Alles gut soweit. Ich war dann auch immer sehr bemüht, Verständnis ihr gegenüber aufzubringen und das zu ändern, was sie traurig oder unzufrieden gemacht hat.

Hatte ich sie doch sehr gerne und deshalb wollte ich unsere Beziehung von solchen “Störungen” freihalten.

Später ist mir dann auch klargeworden, warum ich nie oder eher selten den gleichen Weg des Drüber-Redens gegangen bin: wenn mich etwas belastet hat, konnte sie meine Beweggründe, warum mich das so verletzt hatte, gar nicht nachvollziehen und sah deshalb selbstverständlich auch keinen Grund, irgendetwas zu ändern.

Ja, jetzt kommt es, denn wenn ich ganz ehrlich bin, war sie wohl auch ein Teil meiner Selbstfürsorge!

Beziehungsenttäuschung

Dann kam die Beziehungsenttäuschung von der ich in meiner Seelensache “Dankbarkeit” geschrieben hatte……jep, da hat sie auch mitgemischt……und ich habe versucht, damit klarzukommen, damit zu leben, drüber zu leben, quasi.

Meine Krankheit wurde akut und ich habe mich an diese Freundschaft schon ziemlich geklammert, ein ungutes Grummeln im Bauch, aber die Angst, völlig allein dazustehen, war umso viel größer als dass ich gehandelt hätte.

Außerdem hatte ich einfach keine Kraft mehr, noch eine weitere Baustelle aufzumachen und den richtigen Durchblick, die Stärke und alles andere hatte ich zu diesem Zeitpunkt bei weitem noch nicht.

Das Ganze hat sich bestimmt über fünf Jahre hingezogen, unser Verhältnis wurde immer schwieriger und irgendwann haben wir wirklich “Schluss gemacht”, u. a. weil ich laut ausgesprochen habe, dass ich mich nicht mehr verbiegen und das, was sie von mir fordert, nicht erfüllen werde.

Zu diesem Zeitpunkt war ich dann endlich soweit, die Wurzeln in mir selbst zu fühlen, mich vom Gefallen-Wollen zu befreien und für mich selbst einzustehen.

Ja, auch das kann gut als Egotrip gedeutet werden und wird es bestimmt auch à la: „Mensch die Bettina, die ist ja wirklich komisch geworden…..!”

Ja Leute, ihr kennt ja oft auch nur die Spitze des Eisbergs und meistens interessiert euch ja auch gar nicht mehr ;-)))))))).

Denn es war SELBSTFÜRSORGE und das Einstehen für MICH selbst.

Zurück zum Thema ;-))))

Lange Geschichte, kurzer Sinn: ich pflege gerne Beziehungen, die einen etwas mehr, die anderen etwas weniger, einfach weil ich mich manchmal entscheiden muss und mein Tag reichlich gefüllt ist.

Hier zelebriere ich gerne Qualität vor Quantität.

Wenn es um “Oberflächlichkeiten” wie Feiern oder ein gemütliches Beisammensein geht, kann das auch schon mal meiner Selbstfürsorge meiner Selbstfürsorge zuliebe gestrichen werden, weil Sesselhausen und ganz viel Ruhe einfach für mich die beste Wahl ist.

Ich persönlich suche auch eher die Nähe zu Menschen, mit denen ich einen Gleichklang verspüre, die mir guttun und ich ihnen dann hoffentlich auch.

Die mich akzeptieren wie ich bin: eher interessiert an tiefgründigen Gesprächen, gerne mit der Kamera in der Hand und die auch nicht gleich einen Anfall bekommen, wenn ich ein Foto für Insta oder meinen Blog mache..

Freundschaften zu haben oder zu pflegen empfinde ich als großes Geschenk. Dazu müssen diese (und hier schreibe ich bewusst “müssen”) aber unbedingt auf Augenhöhe stattfinden.

Wie bin ich als Freudin?

Wer mich als Freundin hat, der weiß, ich bin für ihn da und da dürfen auch ruhig mal eine gute Portion Frust, Traurigkeit und Tränen in meiner Gegenwart rausgelassen und vergossen werden.

Es ist akut? Ruf mich an, ich werde alles, was in meiner Macht steht, möglich machen, damit ich dich unterstütze.

Diese Möglichkeit möchte ich aber auch haben, sonst wird das Ungleichgewicht einfach irgendwann zu groß und man ist nicht mehr man selbst.

Freundschaften kommen und gehen (das ist meine Erfahrung) und manchmal bleiben sie auch für immer (das habe ich schon gehört und bin einfach darauf gespannt, ob ich das auch mal als 90-jährige erzählen kann).

Eine solche Freundschaft habe ich nämlich wirklich und auch wenn wir uns gar nicht so oft sehen, auch schon längere Phasen ohne Kontakt hatten, haben wir doch immer wieder zusammengefunden.

Warum solltest du so gut für dich sorgen?

Das einzige, was ich dir aber mit Sicherheit sagen kann, ist, dass DU  immer Bestandteil deines Lebens sein wirst und deshalb gilt, da werde ich auch echt mal laut:

BEHANDLE DICH SELBST IMMER GUT UND LASS DICH AUCH VON ANDEREN NUR SO BEHANDELN!!!!!

Sei du die Freundin, die du gerne hättest. Höre auf dein Bauchgefühl, das sagt dir nämlich genau, ob es diese Freundschaft wert ist. Dein Bauch weiß da nämlich recht viel, das nur mal so am Rande…..

Wenn du eine heftige Beziehungsenttäuschung erlebst, dann darfst du trauern, wütend sein und die Welt nicht mehr verstehen. Auch so etwas braucht Raum und Zeit das zu verarbeiten.

Wenn du dir dieses Abschiednehmen zugestehst, wirst du merken, wie gut das im Nachhinein war.

Da spreche ich aus Erfahrung, denn ich kann diesen vergangenen Freundschaften jetzt souverän begegnen. Wir können uns treffen, uns unterhalten und einen schönen Abend in Gemeinschaft zusammen verbringen, ohne dass ich persönlich noch Verletzungen spüre, die sind nämlich verheilt.

Wann ist es denn nun ein Egotrip?

Bezüglich des Egotrips: ich will das gar nicht abstreiten, dass es das auch gibt und hier Selbstfürsorge als Vorwand verwendet wird.

Ein Egotrip ist es für mich, wenn ich auf Kosten von anderen dafür sorge, dass es mir bestmöglich geht, ohne über die Konsequenzen für mein Gegenüber, eines von mir „abhängigen“ Menschen, überhaupt nachzudenken.

Wenn ich Menschen manipuliere, damit ich etwas erreiche, auch das ist so ein Beispiel.

Kein Egotrip ist es für mich allerdings, wenn ich z. B. von meiner la Familia jetzt mehr Hilfe einfordere, weil sie nun alle alt genug dazu sind.

Ein: „Du denkst nur noch an dich selbst.”, heißt da nämlich übersetzt eher: „Schön blöd, dass wir jetzt auch mit dran sind, war früher so viel bequemer.”

Verantwortung dir selbst gegenüber

Was ich auch noch ganz hilfreich finde: Verantwortlichkeiten dürfen bei dem bleiben, zu dem sie gehören: du bist weder verantwortlich dafür, was der andere für eine Laune hat, noch hast du die Verpflichtung dafür zu sorgen, dass es ihm gut geht. Das darf ein erwachsener Mensch doch bitte gerne selbst übernehmen und auch die lieben Kleinen und Pubertinchen dürfen da so langsam mit dem Wissen darüber hinein- und aufwachsen.

Jetzt bin ich ziemlich von der ursprünglichen E-Mail abgekommen, allerdings kann ich ja auch in keinen Menschen hineinblicken. Was ich aber kann: über meine Empfindungen und Erlebnisse zu schreiben und die mit dir zu teilen……

Halte es so wie immer, nimm mit, was für dich hilfreich ist und alles andere vergiss ganz schnell wieder ;-))))

Ich wünsche dir für heute Begegnungen mit liebevollen Menschen und vor allem einen solchen Umgang mit dir selbst.

Selbstfürsorge rocks!!!!

Dienstagsfeierliche Grüße

 

Bettina

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Bianca Hammann
16. Oktober 2018 6:47

Oh Bettina…..Guten Morgen!! Konnte kaum abwarten zu lesen was du heute geschrieben hast….Seelensache….Oh ja……Wie treffend! Ich werde den Artikel wohl mehrfach lesen müssen, aus verschiedenen Blinkwinkeln betrachten…..aber erst mal sacken lassen……Ich DANKE dir dafür!!!!!!!!!

Antworten

Liebe Bettina, gut geschrieben und es stimmt so was von. Viele kümmern sich auch um Andere um daraus ihr Selbstwertgefühl etc. zu ziehen. Wenn ich für einen Freund da bin, dann auch weil es mir ein Bedürfnis ist ihm beizustehen. ICH habe Freude daran, wenn es ihm besser geht. Viele rechnen solche Dinge auf um dann zu sagen, jetzt muss er sich auch mal um mich kümmern. Nein, das MUSS nicht. Man könnte Romane dazuschreiben ;). Du hast es gut zussammengefasst und das hat mir gefallen :), danke dafür.

Liebe Grüße
martina.

Antworten
    Bianca Hammann
    17. Oktober 2018 8:47

    Ja, stimmt………Trifft mich grad…..lässt mich mich schlecht fühlen…..so hochedel kann ich nicht immer sein…..Freundschaft, Liebe…Beziehungen jeder Art sollten ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe sein…..in Balance…..nur gibt es Menschen, die Nehmen und GEHEN….statt auch zu Geben…..Und nehmen dabei soviel mehr mit, wie sie wissen…….

    Antworten

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