Seelensache No 56 – meine alltagsfeierliche Lebensweise – Warum ich manchmal „Wellen brechen lasse oder Wellen „hinterherschwimme“ 

Wenn du hier regelmäßig liest, ist dir sicherlich Petras Artikel „Die Welle vor der Welle reiten“ noch in Erinnerung und auch, dass es eine Antwort mit meiner Sichtweise dazu geben wird. Hier ist sie und nun freue ich mich, dich auf meinen alltäglichen Wellenritt bzw. dem Welle-Hinterherjagen mitzunehmen. Damit du weißt,auf was ich mich beziehe, lies am besten Petras Artikel vorher.

Petra von aufraeumerei.de "Die Welle vor der Welle reiten", diealltagsfeierin.de

Petras Artikel erreichte mich via E-Mail und als ich in las, brach ein regelrechtes Gefühls- und Gedankenchaos in mir los. Alles überschlug sich: Bewunderung, Ablehnung gegen diese Art des Vorne-Dran-Seins und dann doch auch wieder der ganz klare Gedanke: „Interessant, es gibt Frauen, die dieses Vor-der-Welle-Reiten doch tatsächlich als Erleichterung und Geschenk empfinden.“

Warum es mir innerlich so eng wurde

Dank nun schon insgesamt 9 Monaten Coaching-Ausbildung und einer ziemlich langen Therapie, bin ich diesem Gefühl der Enge schnell auf die Spur gekommen und mir ist folgendes bewusst:

Ich selbst ; -)))) war so eine Welle-vor-der-Welle-Reiterin und dieses Konzept funktionierte über 10 Jahre sogar erstaunlich gut für mich. Von außen betrachtet, wohlgemerkt, denn im Innersten war schon sehr schnell klar, dass ich mich damit völlig überforderte und das schlussendlich auch einen riesengroßen Anteil daran hatte, dass mich die Depression über so viele Jahre mit Haut und Haaren begleitete.

Was war/ist anders?

Der Unterschied zu Petra: Egal, wieviel ich auch vorarbeitete, egal,wieviel Zeit ich vorabplante, am Ende wurde mir dieser Frei-Raum ganz schnell wieder mit neuen Aufgaben vollgepackt.

Teilweise von Leben direkt, sehr oft auch von meinem Umfeld, das mich wohl als eine sehr belastbare taffe Frau wahrnahm und mich so gerne noch fragte, ob ich da denn nicht auch mitwirken könnte. Und auch ich selbst meinte mir noch immer mehr aufladen zu können, damit ich mich als wertvollen Teil der Gemeinschaft fühlen konnte.

Teilzeit-Job in der Buchhaltung mit Monatsabschlüssen, Mahnläufen, also vielen vielen regelmäßig abzuarbeitenden Routinen, ein Mann, der beruflich unter der Woche regelmäßig komplett unterwegs war und drei Kinder, die altersmäßig eben auch eng beieinander waren. So oft war ich deshalb allein zuständig und eben bis über den Anschlag hinaus belastet. (Hier kannst du noch mehr darüber lesen.)

Das Welle-vor-der Welle-Reiten war dann z. B. nötig, um mir Überstundentage herauszuarbeiten, damit die Ferien überhaupt gewuppt werden konnten.

Die Folge dieser Lebensweise

Ja, es ist mir gelungen und so habe ich z. B. auch immer wieder längere Auszeiten durch die Ferienzeiten gehabt. Das Problem dabei: ich genoss das Gemeinsam-in-den-Tag-Leben, war aber schlussendlich einfach nur unendlich erschöpft. Me-Time gab es schon auch, die war aber auch immer ein solch regelrechter Organisationsakt, dass es mir da dann auch so ging: ich war viel zu müde, um überhaupt Kraft tanken zu können.

Die andere Seite

Aber nicht nur das war es und das kann ich auch nur so gut auf den Punkt bringen, weil sehr viel Persönlichkeits- und Therapiearbeit hinter mir liegt,  ich bin vom Grundwesen her einfach nicht dieser strukturierte planende Typ Mensch. Spontanität und impulsives Handeln gehört bei mir dazu wie die Luft zum Atmen.

Ich gehe ein, wenn ich mich dieser eigenen Basis auf Dauer widersetze und blühe auf, wenn ich mir so viel Flexibilität wie möglich erhalte und nur so viel Struktur wie nötig in meinem Leben etabliere. Dieser Mix macht bei mir die „Musik“, die mich mein Leben lieben lässt  und genau in diesem sehr individuellen Ansatz habe ich meine Erfüllung gefunden.

Warum Routinen trotzdem ein Gamechanger sind

Was ich jetzt schreibe, wird dich wahrscheinlich wundern: auch ich liebe Routinen und Gewohnheiten und bin da auch der gleichen Meinung wie Petra: ohne diese wird’s schwierig mit dem Lieblingsleben, gerade wenn du sehr selbstbestimmt und reflektiert bist und doch auch noch so einige Ziele und/oder Visionen für dein Leben hast.

Ich wähle nur ganz genau aus, welche mir dienen und welche dieser Routinen oder Gewohnheiten zwar gesellschaftlich und im Außen sehr geschätzt sind, aber mir so gar nicht entsprechen.

Vorarbeiten findet bei mir nur statt, wenn ich weiß, dass ich länger unterwegs bin oder frei habe, ansonsten langweile ich mich, das wiederum nimmt mir meine Energie und dann kann so eine Essenplan-Erstellung sich über eine laaaaaange Zeit hinziehen. Einmal die Woche, für dreißig Minuten, so fühlt sich das für mich viel leichter an und wenn’s dann zeitlich mal nicht ausgeht, dann wird’s halt einen Tag später…

Bei mir gibt es eher Timeslots mit einer Überschrift z. B. für administrative Aufgaben.

Planer, alltagsfeierliche Lebensweise, diealltagsfeierin.de

Artikel auf Vorrat?

Mein Verstand jubelt bei diesem Gedanken, mein System, dem ich diese Vorgehensweise schon öfters mal liebevoll angeboten habe, sagt ziemlich laut: „Möp!“ und bestraft mich bei dem Versuch, das zu tun, auch hier mit einer Langsamkeit, die ich sonst so nicht von mir kenne ; -))).

Ein Seelensache-Artikel sprudelt aus mir heraus oder eben nicht und wenn dieser dann auf dem Papier steht, dann möchte er auch in die Welt, zumindest spätestens in der Woche darauf ; -))).  Und auch der Newsletter oder die neue Inside beYOUtiful YOU können nur teilweise vorproduziert werden, denn woher soll ich denn wissen, was gerade wirklich dran ist?

Automatisierung a la Alltagsfeierin

Und auch bei mir ist so einiges automatisiert, es handelt sich hier aber eher um Tage, die eine gewissen Überschrift tragen, hier mal ein Auszug der Tätigkeiten für dich:

  • Montag: ​administrative Aufgaben, E-Mails, Rechnungen
  • Dienstag: ​einkaufen
  • Mittwoch:​ Artikel schreiben, Fotos machen
  • Donnerstag:​ Essensplan
  • Samstag: ​Wochenendfeierei schreiben
  • Sonntag:​ Wochenimpuls Ausbildung

Diese grobe Einteilung muss reichen, weil ich durch die vielen Ausbildungsmodule und Coachings/Begleitungen, die inzwischen einen Großteil meiner Arbeit ausmachen, da sehr flexibel sein möchte. Mein Grundsatz: Schieben ist immer möglich, wichtig sind meine Klient:innen und Termine, diese haben erste Priorität.

Strukturierte To-Do-Listen

Ohne was es bei mir gar nicht geht, sind verschiedene To-Do-Listen, ein Kalender mit Monatsübersicht und mein Tageskalender, in dem vor allem die erledigten Aufgaben eingetragen werden. Meine Hauptliste hat alles aufgelistet, was in der Woche erledigt werden MUSS. Falls es eine Deadline gibt, weil z. B. der Kooperationspartner den Artikel vorher sehen möchte, steht dies dabei.

Die weiteren Listen, (ich liebe mein Klemmbrett, das alle an einem Platz hält) enthalten das, was zwar zeitnah erledigt werden darf, aber wo der Tag oder die Woche keine ausschlaggebende Rolle spielt. Eine weitere Liste enthält die Visionen, Projekte, „Nice-to-have“-Tätigkeiten, die noch viel viel mehr Zeit haben, aber so aus dem Kopf sind und nicht vergessen werden.

Lust haben – die alltagsfeierliche Lebensweise

Lust haben, Genuss dabei zu empfinden, bei dem was ich tue, das ist bei mir mein Fundament. So beginne ich jeden (Arbeits-)Tag auch immer mit einer Tätigkeit, die diese Faktoren erfüllt. So „wärmt“ sich mein System auf, und meine Lebenskraft fängt das Lodern an und wenn dann erstmal das erste Erfolgserlebnis mit dem Durchstreichen eines To-Do’s gefeiert wurde, dann sind sogar ganz oft Tätigkeiten wie Hausputz und Steuer mit Leichtigkeit möglich.

Klingt komisch, funktioniert aber grandios und wenn du das Human Design Experiment kennst und lebst, wirst du als Genereator:in oder manifestierende:r Generator:in vielleicht schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Wenn nicht, lade ich dich ein, es mal auszuprobieren.

Wochenrückblick No 29-2022, das Sonntagsmagazin auf diealltagsfeierin.de, Human Design Body Graph Chart beyoukiful-design.de

Willst du wissen welcher Typ du bist? Hier kannst du dein Chart erstellen.

Flow Einheiten

Und ja, es gibt sie, die Tätigkeiten, die so gar keine Lust machen, die eine Timeline haben oder wirklich wirklich wichtig sind, dass du sie tust, auch wenn sie herausfordernd sind.

Bei solchen Projekten plane ich feste Flow-Einheiten ein, das bedeutet stark vereinfacht ausgedrückt folgendes:

  • ich schaffe alle Ablenkungsmöglichkeiten aus dem Weg.
  • kommuniziere, dass mich Stören gerade keine Option ist.
  • stelle mir einen Wecker auf 90 Minuten.
  • dann beginne ich das zu tun, was getan werden muss und auch, wenn es sich für ein paar Minuten sperrig anfühlt.
  • nach Ablauf der 90 Minuten höre ich auf und mache eine bewusste Pause.

So habe ich noch immer das erfolgreich gerockt bekommen, was ich rocken wollte. Ein Beispiel ist z. B. das riesengroße Projekt Membership beYOUtiful YOU.

Immer alles ordentlich

Petras Credo: „Es ist jederzeit so ordentlich, dass ich sogar nachts jemanden ohne schlechtes Gewissen ins Haus holen kann.“ ist für sie ein positiver Glaubenssatz.

Für mich gehört er in die Negativ-Ecke, denn genau dieses schlechte Gewissen möchte ich nicht (mehr) haben und tatsächlich ist es mir gelungen, da so einiges an Perfektion loszulassen.

Besuchen kann mich auch jeder, jederzeit, denn Aufräumen passiert hier so nebenher und der Wäscheständer, der inzwischen fast schon ins Wohnzimmer eingezogen ist, weil hier die Mädels ihre Wäsche selbst erledigen, ist für mich keine Grundlage zum Schämen mehr, sondern steht für mich für den Erfolg: hier helfen alle mit – also meistens ; -))).

Was ich von Petra lernen kann

Petra beschreibt sich als „tiefenentspannt“, da bin ich eher im Bereich „entspannt“ mit „hier und da Druckgefühl“ angesiedelt. Klare Entscheidungen, was ein Zuviel ist und dann rigoros auch mal etwas sein lassen, da ist bei mir sicherlich auch noch gut Luft nach oben.

Andererseits – dann gäbe es wohl auch keine Membership oder keinen Newsletter, ich hätte rein von der Vernunft her die Coachingausbildung nicht begonnen, oder oder oder… irgendwie ticke ich halt da doch anders…

Wichtig ist für mich, und das begreife ich gerade, während ich das schreibe, woher die Entscheidung oder Wahl kommt, etwas zu tun oder nicht zu tun: mein Wegweiser ist mein Innerstes, das Außen lasse ich so gut wie möglich unbeachtet und mein Verstand hat inzwischen akzeptiert, dass er nicht auf dem Fahrersitz sitzt, sondern nur als Berater und Reflektor seinen Job tun darf. Mein Bauch kennt den Weg und darauf lasse ich mich ein: Immer und immer mehr.

Was heißt das für dich?

Spür mal in dich rein, was sagt dein Bauch? Was rät dein Kopf? Hast du schon eine Idee, wie du tickst? Was tust du, weil es dein Umfeld erwartet? Was tust du, weil es dir guttut, dich erfüllt, dich weiterbringt und dein Leben das Prädikat „Lieblingsleben“ bekommt?

Wie nimmst du dich wahr? Bist du eher organisiert oder kreativ chaotisch? Meinst du, das eine ist besser als das andere? Wer sagt das? Sei auch ehrlich zu dir selbst: nimmst du manches als Ausrede her, es nicht zu tun oder ist es an der Zeit, dass du etwas lockerer lässt, weil du zu hart mit dir bist? Hast du Zeit alles zu tun, was du möchtest und kennst du auch die Gründe, warum dir vermeintlich Zeit fehlt? Weißt du,  wie deine Energie am besten fließt? Fragen über Fragen, die du für dich nutzen kannst.

Ich lade dich ein, dir selbst immer mehr auf die Spur zu kommen, denn es lohnt sich immer,  mehr du selbst zu sein.

Du bist du und das ist gut so und wenn du dir jetzt aus dem, was Petra und ich geteilt haben, das herausnimmst, was für dich hilfreich ist, dann haben wir einen guten Job gemacht.

Danke Petra

Liebe Petra, einfach grandios, was du durch deinen Gastbeitrag bei mir ausgelöst hast und du mir so eine Seelensache geschenkt hast, die ich sogar im September-Newsletter angekündigt hatte, weil du deine Welle vor der Welle geritten hattest ; -))) und der Artikel so schon im August bei mir war.

„Alles erledigt zu haben“, wie du es ausdrückst, diesen Zustand / dieses Gefühl gibt es bei mir nicht und doch nehme ich mir alle Frei-Räume, die ich brauche, um alltagsfeierlich durchs Leben zu kommen.  Manchmal der Welle hinterherrennend und um sie dann doch noch grandios zu reiten oder sie manchmal auch brechen zu lassen und dann einfach die nächste zu nehmen, auch so eine Möglichkeit, die mir gerade in den Sinn kommt….dafür einfach DANKE!

Dir liebe:r Leser:in wünsche ich nun einen grandiosen Freitag und viel Freude beim Welle reiten, Welle brechen lassen oder Welle hinterherschwimmen. Denke immer dran: es gibt nicht den EINEN Weg, es gibt den DEINEN.

Liebe Grüße

Bettina, diealltagsfeierin.de

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2 Kommentare

  1. Liebe Bettina,
    diese Herangehensweisen und beschriebenen Arten, Wellen zu nehmen, zu planen oder auch nicht, finde ich gerade grandios!
    Ein für jeden passendes System wird und kann es nicht geben. Dafür sind wir alle einfach viel zu individuell mit unseren Lebenssituationen, Anforderungen, Wünschen, Träumen und Bedürfnissen. Ich j
    Kann genauso wie Katrin sagen, dass ich von beiden beschriebenen Herangehensweisen Anteile habe.
    Bei manchen Dingen macht Planen einfach Spaß und gibt mir auch Sicherheit, was dann auch eine Vereinfachung in der Umsetzung bringt (Speiseplan, Planung von Feiern…). Anderswo schränken mich feste Vorgaben ein oder lassen sich durch mein Umfeld gar nicht durchsetzen. Da ist dann Flexibilität gefragt.
    Auf jeden Fall sehe ich auch im Rückblick eine Veränderung in allem und ich denke, das die auch weiter notwendig sein wird. Zum einen, weil nie alles gleich sein wird und zum anderen, weil mir auch schnell langweilig wird.
    Daher finde ich einen offenen Blick in alle Richtungen ausgesprochen inspirierend und auch hilfreich. Ich kann mir die Wege anderer ansehen, gehen muss und möchte ich meinen selbst.
    Ich danke dir und Petra für eure Erzählungen!
    Liebe Grüße
    Heike

  2. Liebe Bettina,

    mir geht es da ähnlich 🙂 … Vielen Dank! Ich bin nicht allein … Jahrelang habe ich versucht, vor der Welle zu sein und es so gut wie nie geschafft und war so oft davon gestresst.

    Ich habe mich in den letzten Jahren von To-Do-Listen getrennt. Mein Mann liebt diese To-Do-Listen nach wie vor und darum gibt es sie in diesem Haushalt auch noch, da steht immer sehr viel drauf und abarbeiten tut er sie eigentlich nie … aber es sind nicht mehr meine Listen, sondern seine und seitdem machen mir diese auch keine Bauchschmerzen mehr.

    Natürlich gibt es auch hier Rituale, die unser Leben und beispielsweise den wöchentlichen Einkauf leichter und Haus und Garten sauber(er) und ordentlich(er) machen. Aber „es darf leicht sein“ und vor allem flexibel … wir schreiben z. B. seit Jahren einen wöchentlichen Essensplan, ich kann mich allerdings an keine Woche erinnern, in der wir uns tatsächlich komplett an diesen Plan gehalten haben 🙂 … erstaunlicherweise sind wir bisher nicht verhungert und hatten trotzdem immer etwas Leckeres auf dem Teller. Ich dachte auch immer der Haushalt wäre für mich leichter zu bewältigen, wenn ich die Arbeiten planen würde (montags Bäder, dienstags Wäsche, mittwochs Böden usw.) aber es funktioniert für mich nicht. Trotzdem haben wir immer etwas Sauberes zum Anziehen und Besuch scheint sich hier glücklicherweise nach wie vor sehr wohl zu fühlen.

    Ich bewundere Menschen, die das anders schaffen und finde die Herangehensweise „vor der Welle zu sein“ faszinierend und toll und ich dachte immer, damit hätte ich weniger Stress, dem ist aber nicht so … ich bin anders und ich darf so sein … das für mich einzugestehen, hat mich viele Jahre, einige „Rückfälle“ und leider auch einen Teil meiner Gesundheit gekostet.

    Liebe Grüße von Katrin.

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