Vor kurzem war ich bei einem Kabarett eines doch recht bekannten Künstlers. Mein Platz war ziemlich weit vorne, so dass ich ihn gut im Blick hatte. Das Programm begann und ziemlich schnell hat sich mein Bauch gemeldet, der so gar nicht zufrieden war mit dem, was ihm da geboten wurde. Es war nicht richtig greif- , aber einfach für mich spürbar.

Nicht, dass ich mich nicht unterhalten gefühlt hätte, sogar die Aufforderung zum sozialen Engagement war im Programm enthalten, aber vielleicht gerade deshalb war ich etwas in “Hab-Acht-Stellung”, denn das Kommerzielle kam dabei auch nicht zu kurz.

Es hatte für mich einfach ein “Gschmäckle” (kennst du dieses Wort ;-))))))  und ich war drauf und dran, die “Schuld” bei mir zu suchen, da um mich herum das Publikum sehr begeistert und überzeugt schien.

Einmal drüber geschlafen hatte sich das Gefühl noch verstärkt und deshalb habe ich darüber auf Insta geschrieben und auch noch einer Freundin kurz ein bisschen darüber erzählt.

Als Feedback bekam ich eine Bestätigung meines Bauchgefühls, denn sie hatte diese Person schon persönlich kennengelernt und so ihre Eindrücke ganz ohne Filter sammeln können.

Eine ziemlich lange Einleitung, die aber wohl wieder mal nötig war und folgendes Fazit für mich hatte:

“Höre auf dein BAUCHGEFÜHL und glaub, was es dir sagen möchte!”

Denn das, was ich gespürt habe, deckte sich mit ihren Worten.

Kopf- oder Bauchmensch?

Bist du eher ein Kopf- oder Bauchmensch, oder kombinierst du beides vielleicht sogar geschickt?

Ich war bis Mitte dreißig auf jeden Fall Team “Kopf” und das aus vollster Überzeugung. Mein Bauch hatte so gar keine Chance und die vermeintliche Vernunft hatte immer das Zepter in der Hand.

Ich war streng, zielorientiert und hatte genau DEN Plan. Damit verbunden waren allerdings auch jede Menge Ängste, Zukunftssorgen und Unsicherheiten.

Ein sehr zerbrechliches Konstrukt, das irgendwann dann auch in sich zusammengestürzt ist.

Meine Psyche gab auf und stellte das Fühlen ein, also zumindest das positive Fühlen. Gefühlt habe ich sogar recht viel, allerdings, ich weiß nicht wie ich es anderes formulieren soll, aus dem Kopf heraus.

Wenn nur noch der Kopf das Kommando hat

Aus dem Kopf heraus fühlen? Stell dir vor, du sitzt in einem abgedunkelten engen Raum, hast einen kratzigen Pullover und eine viel zu enge Hose an. Vor dir ist eine Scheibe aus Milchglas, hinter der du ganz viele Farben erahnen kannst. In dem Raum schallt es aus allen Ecken, dir werden Sätze um die Ohren gehauen wie: “Du bist nichts und du wirst nie etwas sein!”, “Alles machst du falsch und die Welt wäre so viel besser ohne dich dran!”, “Du belastest die Menschen um dich herum und sorgst mit deinem Verhalten dafür, dass auch sie Schaden nehmen!”………….denke dir hier das Schlimmste, was es zu denken gibt, und das alles in einer Endlosschleife.

Aus dem anderen Lautsprecher kommt die schlimmste Musik, die du dir nur vorstellen kannst, somit hast du nicht die Chance, zur Ruhe zu kommen oder aber zu schlafen und Kraft zu tanken.

Wie lange hältst du das wohl aus?

Wenn ich das selbst so lese, sage ich: nicht lange…..aber da wirst du einfach nicht gefragt.

Genauso habe ich mich über eine lange, lange Zeit gefühlt und in diesem Zustand auch immer noch gedacht, dass ich das a) verdient hätte und b) mich nur ein wenig zusammenreißen müsste, damit ich das bisschen Leben, das ich so zu meistern hätte, auch meistern könnte.

Nach außen war das gar nicht unbedingt wahrnehmbar, denn eine Maske aufzusetzen und den Schein zu wahren, darin war ich wohl auch recht gut.

Den Kopf wieder ruhig bekommen

Dass hier eine Krankheit dahintersteckte, wollte ich nicht wahrhaben bzw. kam für mich nicht in Frage. Krankheit, das musste mit etwas Körperlichem in Verbindung gebracht werden, also mit etwas Sichtbarem wie eine Grippe, Rückenprobleme o. ä.

Mein Kopf war an der Macht und irgendwann hat dann mein Körper aufgegeben und ist zusammengeklappt und so fing mein langer Weg der Akzeptanz und Heilung an. Mit ganz viel Unterstützung und Zeit, denn es hatte sich bei mir schon sehr tief eingegraben und -genistet.

Ich war oft verzweifelt, denn ich sehnte mich so sehr nach einem positiven, mir zugewandten Gefühl. Die Menschen um mich herum versuchten auch alles, um mir begreiflich zu machen, dass ich gut bin so wie ich bin.

Aber es war lange Zeit vergleichbar mit einem Tropfen Wasser, der auf einen Stein fällt.

Allerdings haben mich meine Lieblingsmenschen nicht aufgegeben und ich bekam die Zeit zum Gesunden und Stabilwerden geschenkt.

Irgendwann keimte etwas in mir, das erst  mit einem kleinen Funken Freude begann und sich nach und nach in meine Alltagsfeierei verwandelte.

Herr Kopf verstummte und ich weiß noch wie heute, wie sehr ich in Tränen ausgebrochen bin, als es in ihm endlich mal für eine kurze Zeit still war und ich mich einfach nur ganz neutral entspannen konnte.

Das Bauchgefühl

Eines Tages hat sich dann mein Bauch ganz zaghaft gemeldet und mir so einen neuen Weg, das Leben zu leben, geschenkt.

Das fing an mit dem Hinweis, dass ein vermeintlich netter und mir gegenüber  zuvorkommender auftretender Mensch,  dennoch irgendwie eine Disharmonie in meiner Körpermitte auslöste ;-)))), die ich nicht so richtig fassen konnte.

Gerade in dieser Zeit neigte ich dazu, das dann als Gefühls-Spinnerei meinerseits abzutun, um dann doch zu merken, dass da im Kern etwas dran war. Denn die dazu passenden Taten seinerseits folgten ;-)))))…………

Kann man Bauchgefühl lernen?

Ganz ehrlich, ich weiß es nicht, bei mir hat es aber geklappt und ich würde auch eher von trainieren sprechen.

Bei mir war es überhaupt erst möglich, meinen Bauch wieder zu Wort kommen zu lassen, als ich es geschafft habe , für Ruhe in meinem Kopf zu sorgen, dabei hat mir Folgendes so richtig gut geholfen.

– Ablenkung durch Musik oder Puzzeln

– positiver Zuspruch meiner Mitmenschen

– Podcast mit positivem, lebensbejahenden Inhalt hören

– schöne Bilder ansehen und dann irgendwann auch selbst mit der Kamera einfangen

– genug Ruhe und Bewegung in der Natur

– progressive Muskelentspannung

Ein ganz großer Faktor war allerdings die Zeit und das Nicht-Aufgeben, auch wenn das Positive zwar sicht- und hörbar ist, allerdings so gar nicht ganz zu dir durchdringt.

Wenn du dann eine Regung deines Bauchgefühls merkst, lass sie zu und guck einfach, was für Erfahrungen du machst. Du wirst überrascht sein, wie treffsicher es ist.

Wichtig ist für mich auch der direkte oder der regelmäßige schriftliche Kontakt über längere Zeit mit der Person bzw. das ist es dann oft, was meine Empfindung rund macht: den Menschen ohne “Filter” zu erleben und seine Ausstrahlung zu spüren, dann kann ich mir ein gutes Bild machen.

Ich wundere mich oft selbst darüber, wie zielsicher und mit welcher Trefferquote mein Bauch genau Bescheid weiß und wenn ich dann als Feedback von meiner Herzenfreundin bekomme , dass sie diese Veränderung auch so extrem wahrnimmt und genauso wie ich feiert, dann ist das wirklich eine wunderbare Rückmeldung.

Herr Kopf darf natürlich auch mitreden, denn es gibt genug Situationen, da ist er der Kommandogeber und das ist dann auch gut so.

Wann ist es zuviel “Kopf”?

Wichtig finde ich zu merken, wenn das, was aus dem Kopf kommt, sich nur noch negative Gedanken wie Ängste, Sorgen und Selbstzweifel dreht, dann ist das nämlich auch nicht real und die WAHRHEIT, sondern zeigt eine Tendenz, mit der man sich, sich selbst zuliebe, bald auseinandersetzen sollte.

Trotz allem finde ich, dass das Bauchgefühl mindestens auf gleicher Stufe mit deiner vermeintlichen Vernunft stehen darf und dass auch ein konstruktiver Austausch zwischen Kopf- und Bauchmenschen total hilfreich sein kann.

Ich hatte euch die Frage: “Bauch oder Kopf?” als #diefreitagsfragerei weitergegeben und eure Antworten bringen es schön auf den Punkt, so dass ich davon auch ganz viel für mich mitnehmen konnte.

Einige von euch haben mir als Antwort: „Das Herz!”, genannt und auch das finde ich absolut treffend und passend.

Denn wie hat z. B. Tanja so schön geschrieben:

„Das Herz, denn das liegt in der Mitte.”

Nach so einer Antwort bleibt mir hier nur noch zu schreiben:  ganz genau, denn das, was dein Herz zum Hüpfen bringt, darum darfst du dich ganz besonders kümmern.

Das tut dem Kopf und dem Bauch gut und bringt dich so zu deiner ganz persönlichen ausgeglichenen Mitte.

Ich wünsche dir, dass du das für dich passende Maß findest zwischen Bauch, Kopf und Herz.

Hab einen schönen Tu-Es-Tag.

Liebe Grüße

 

Bettina

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

Liebe Bettina,

ich bin wohl eher beides, obwohl, wenn ich es so lese. Das mein Bauchgefühl seit Jahren zu kurz kommt. Früher war da mehr. Vielleicht weil ich es unterdrücke ? Ich überlege …..
Du beschreibst diesen Raum mit kratzigen Pulli und so… Da bekomme ich gerade keine Luft. Allein das lesen, schnürt mir wirklich die Luft ab. Damit habe ich im Moment sowieso im Moment die Probleme. In div. Situation habe ich das Gefühl, das ich keine Luft bekomme und muss tief Atmen, weil ich das Gefühl habe keine Luft zu bekommen. Ich Denke jetzt wirklich ernsthaft darüber nach, was die Situation hier in der Firma und ein sehr schlechtes Erlebnis mit einer Zusammenarbeit bei mir bewirkt hat. Ansonsten gehe ich doch wieder zu meiner Heilpraktikerin. Die hat meine Chakren in die richtige Richtung gebracht und lese bei Dir weiter. Es hilft sehr.

Liebe Grüße
elke von elke.works

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