#pusteblumenleicht Aimées Geschichte – von der Last zur Leichtigkeit

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Es gab Zeiten in denen habe ich fünf bis sieben Mal die Woche Sport betrieben habe, problemlos. Lange Zeit habe ich das in meinem Leben als den Standard genommen. Den ich aber, als ich erwachsen und nicht mehr Schüler war, gar nicht halten konnte. Berufsleben, Mutterdasein, Geburtsverletzungen – Bewegung und auch das Leben wurde beschwerlich, eine Last und alles andere als leicht.

Bis ich über Restore Your Core®  eine vollkommen neue Herangehensweise lernte und anfing mit Faszination und Neugier liebevoll auf meinen Körper zu blicken. Und dadurch auch im Rest meines Lebens begann, Unbeschwertheit und Leichtigkeit zu entdecken begann. Dies ist meine sehr persönliche Geschichte dahinter.

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Fotocredit: Aimée – Sandra Birkner Photography

Sport mit Leichtigkeit und Freude

1995 war wohl mein sportlichstes Jahr. Ich war als Austauschschülerin in England und in der Hockeysaison hatte ich zweimal die Woche normales Training, einmal spezielles Eckentraining, am Wochenende ein oder zwei Spiele und an den trainingsfreien Tagen spielte ich mit ein paar Schülern aus dem Jungs-Team, nur aus Spaß, um mich mit ihnen zu messen oder polierte mein Tennis oder Squash auf.

Dieses Pensum aufrecht zu erhalten war einfach für mich. Der Schulalltag war darauf ausgelegt, dass wir nachmittags und am Wochenende Sport trieben, es wurde gefördert, priorisiert und gefeiert. Als Student war es machbar zumindest dem Hockey noch ein- bis zweimal die Woche und am Wochenende nachzugehen und es war ein willkommener Ausgleich zur Kopfarbeit.

Auch in den allerersten Berufsjahren betrieb ich noch den Aufwand, mir an meinen jeweils neuen Wohnorten einen Verein zu suchen. Das Schöne an Hockeyspielern ist, dass sie überall auf der Welt gleich bescheuert ticken. Sie haben alle einen kleinen Knall, können ordentlich feiern und lieben ihren Sport. Ich habe selbst fast 30 Jahre lang Hockey gespielt und es immer sehr geliebt, auch wenn ich viele Blessuren davongetragen habe, nicht selten nur knapp an wirklich ernsthaften Verletzungen vorbeigeschrammt bin und eigentlich immer blaue Flecken an den Beinen hatte. Ab und an sogar mal ein blaues Auge.

Aber ich habe das Ganze mit Leichtigkeit getan, auch wenn ich beim Konditionstraining immer mehr fluchte, als es beim Eckentraining der Fall war. Und auch wenn mein Ansatz mehr Richtung „no pain, no gain“ ging und ich wirklich hart in Zweikämpfe reinging – ab und an knallte es recht ordentlich zwischen gegnerischen Torwarten und mir als Mittelstürmerin.

Erwachsen werden ist nicht schwer, Erwachsen sein dagegen sehr

Je mehr ich für mich allein Verantwortung übernehmen musste und das berufliche Leben als zunehmend wichtiger erlebte, desto mühseliger wurde es, mich unbeschwert auf mein geliebtes Hockey einzulassen. Der Gedanke an eine Verletzung und die daraus folgenden Konsequenzen bremsten mich. Das lange Sitzen im Büro, viel zu viele Überstunden und damit seltenere Trainingseinheiten und sicherlich auch zu viele Zigaretten damals, alles machte das Spielen beschwerlicher.

Obwohl ich das Training immer häufiger verpasste, wurde ich am Wochenende noch für die Punktspiele aufgestellt, es gab einfach nicht genügend Spielerinnen. Damals spielte ich in England und in einer altersmäßig sehr gemischten Mannschaft von sehr jungen Mädchen bis hin zu Frauen um die 50. Ich war nicht mehr Schülerin oder Studentin, aber auch noch nicht Mutter, außer mir gab es niemanden in diesem Dazwischen. Das Einzige, was uns verband, war die Liebe zum Hockey. Das reichte irgendwann nicht mehr, der Austausch wurde zäh, auch auf dem Platz und damit schwand auch hier immer mehr Leichtigkeit.

Der Kampf um den Job und das Privatleben

Dann wurde die berufliche Situation herausfordernder, ich kämpfte darum in der Wirtschaftskrise 2008/2009, die meine Branche und Firma hart traf, meinen Job zu behalten. Ich überstand drei harte „redudancy rounds“, in denen ich mit vollem Einsatz um meinen Job kämpfte, was mehr Anspannung, mehr Überstunden, Wochenendarbeit und schlussendlich einen Zusammenbruch mit sich brachte. Alles war schwer. Nichts war mehr leicht oder unbeschwert an diesem Punkt.

Ich plante meine Rückkehr nach Deutschland, um mit meinem damaligen Partner nach monatelanger Länder-Pendelei die Familiengründung konkreter anzugehen. Floh auch ein bisschen vor der wirtschaftlichen Situation, aber verließ das Land doch mit einem weinenden Auge. Ich hatte mich dort immer sehr wohl und zuhause gefühlt, war viele Jahre dort sehr frei von Erwartungshaltungen von außen gewesen. Ich hatte dadurch Leichtigkeit empfunden, konnte machen, was ich wollte, mich über Jahre ausprobieren, ausleben, herausfinden, wer ich bin und wer ich sein wollte. Spielen. Testen. Mutig sein und Dinge wagen.

Davon war dann aber nicht mehr viel übrig, ich ließ mich durch die Umstände ausbremsen, sie nahmen mir die Unbeschwertheit, ich reagierte nur noch auf Situationen und fühlte mich unter Druck, Entscheidungen treffen zu müssen. Die biologische Uhr tickte auch. Aber ich war doch noch gar nicht fertig mit der Suche nach dem, wer ich eigentlich bin oder sein wollte.

Tiefer Fall und noch mehr Schwere

Im Sommer 2010, also vor zwölf Jahren, ging ich dann nach 6 Jahren in England zurück nach Deutschland.  Mit einem Arbeitsvertrag, einem Studienvertrag für ein berufsbegleitendes Studium und einer Beziehung, von der ich dachte, dass der nächste Schritt das Zusammenziehen und Kinder sein würden. Diese Situation hielt keine vier Wochen an. Denn mein damaliger Partner beendete nur kurz nach meiner Ankunft und für mich vollkommen überraschend diese Beziehung, er habe jemand anderes kennengelernt. Mir wurde der Boden unter den Füßen entzogen und ich fiel. Und fiel. Und fiel. So viel Schwere.

Ich war am Boden zerstört, vernachlässigte mich, funktionierte gerade mal so eben und schaffte irgendwie das Studium. Danach verzweifelte ich ein Jahr lang bei der Jobsuche, bei der mir immer wieder – natürlich nur durch die Blume, aber dennoch glasklar – gesagt wurde, wir gefährlich doch mein Alter sei. Ich könne ja quasi jede Sekunde schwanger werden. Mit jeder Ablehnung, die so brutal offensichtlich-subtil diese Begründung raushaute, stach es ein bisschen mehr in meinem Herzen. Fühlte ich mich doch gerade sehr allein und mein Traum von Familie und Kinder unerreichbar.

Vermeintliche Besserung

Ein Jahr und eine Portion Glück später fand ich einen Job, der mit Druckbetankung begann und nur wenig nachließ, was das Leistungsniveau anbetraf. Nach einem Jahr mit Bore-Ot-Situation schmiss ich mich in den Trubel und war umgeben von „High flyers“, „High potentials“ und „High was weiß ich nochs“, lauter Männer übrigens. Versteh mich nicht falsch, ich habe meine Kollegen einzeln alle sehr geschätzt, sie waren von der anständigen Sorte, aber das allein sollte heutzutage eigentlich keine Erwähnung mehr finden müssen. Egal, eine eigene Dynamik hat so ein männlich dominiertes Team nichtsdestotrotz.

Wir haben auf jeden Fall gemeinsam eine Menge gerissen bekommen, in einem irren Tempo, durchaus auch mit Spaß. Ich empfand es als sehr befriedigend in einem Team wieder als Teamplayer agieren können, das, was ich im Sport immer so geliebt hatte: gemeinsam ackern, füreinander da zu sein, sich gegenseitig zu pushen und zusammen ordentlich Erfolge zu feiern.

Und trotz all des Guten, so war diese Zeit auch selten leicht, so gut wie nie unbeschwert. Ich wollte mich beweisen, mithalten können und setzte mich selbst (häufig völlig unnötig) immens unter Druck. Ich wollte alles richtig machen, am liebsten immer beim ersten Mal und dafür arbeitete ich hart und kämpfte. Ich kannte nur diese Art – wenn Du Dich nur doll genug anstrengst, dann wird es besser. Dann wird es einfacher. Dann wird es leichter. Es musste immer noch irgendetwas erreicht werden, bevor ich mir das Durchatmen erlaubte. Gleichzeitig tickte die Uhr. Ich hatte Angst.

Klarheit, auch ohne Leichtigkeit

Langsam entspannte sich die berufliche Situation und ich nahm mir vor, nun sei mein Privatleben dran, wiederbelebt zu werden. Aber, wie es die Geschichte so will, ging ich auch da mit viel zu viel Druck und wenig Leichtigkeit heran. Es folgten merkwürdige Dates mit zu viel Wollen und zu wenig einfach Sein. Bis es plötzlich, zwar nicht leicht, aber doch ganz klar wurde und der Mensch, der schon länger in meinem Leben war, eine völlig andere Rolle für mich zu spielen begann. Und ein Spiel war es gewiss nicht, es war ernst, aber ohne die falsche Ernsthaftigkeit. Es stimmte einfach plötzlich, war richtig, auf Augenhöhe und ganz klar. Du bist es. Du bist meine Person! Es sprach so viel dagegen und war doch ganz klar.

Erste Verletzungen und endlich schwanger

Eine Weile zuvor hatte ich versucht, wieder mit dem Hockeyspielen zu beginnen. Nach einigen Jahren Pausen, immerhin mittlerweile Nichtraucherin, aber konditionell am Ende, war es zäh. Ich liebte den Sport nach wie vor, aber die Lunge brannte, die Oberschenkel auch und die Seite stach. Meine Technik war verschütt gegangen, es gab tausend neue Regeln und ich sammelte die ersten Verletzungen ein. Die Verletzungspausen kamen regelmäßig und waren länger als die Spielphasen, ich kam nie wieder richtig rein. Gerade als ich die jüngste Verletzung überstanden hatte, wurde ich schwanger. Endlich.

Die Schwangerschaft war großartig, ich genoss das Gefühl, wie mein Kind in mir wuchs, mich bei jedem Schluckauf von innen an der Symphyse kitzelte und mir außer viel Müdigkeit keine Einschränkung bot.

Etwas stimmt nicht

Mit der Geburt wurde ich dann wieder von den Füßen gerissen, nur wäre es tatsächlich besser gewesen, eine Weile länger liegen zu bleiben, mich dort unten auszuruhen, das Wochenbett ernsthaft wahrnehmen zu können. Erst Krankheit und dann berufliche Verpflichtungen meines Mannes zwangen mich recht schnell dazu, trotz dauerhafter Schmerzen über Monate, mehr auf den Beinen zu sein, als mir gut tat.

Wann ich das erste Mal merkte, dass etwas ernsthaft schieflief, weiß ich gar nicht mehr. Selbst der große Schreck auf meiner eigenen Hochzeit beim Tanzen plötzlich mit klatschnasser Unterhose dazustehen, zeigte noch keine nachdrückliche Wirkung. Die Geburt war 4,5 Monate her, die Schmerzen hatte ich seitdem ununterbrochen und sie überschatteten alles. Dennoch schaffte ich es irgendwie, diesen einen Tag wirklich zu genießen. Über ein Jahr lang hatte ich mich darauf gefreut vor Familie und Freunden die Liebe zu meinem Mann in einer für uns so wunderbar passenden freien Trauung zu zelebrieren. Ich wollte ihn unbedingt genießen, blendete alles andere aus und fokussierte mich ganz auf das Fest.

Danach brach ich ein, nicht sofort, aber stetig, denn meine Symptome wurden immer schlimmer und der Kraftaufwand, den Alltag mit Baby häufig über längere Strecken allein meistern zu müssen, raubte Kraft für alles andere. So sehr ich mein Baby liebte, so wenig konnte ich mit dieser irren Kombination aus permanenter geistiger Unterforderung bei gleichzeitiger körperlicher Überforderung zurechtkommen. Ich vereinsamte und funktionierte wieder nur irgendwie, im Nachhinein kam häufiger der Verdacht auf eine nicht diagnostizierte postpartale Depression auf. Aber an der Situation ändern konnte ich lange Zeit nichts.

Endlich ein Lichtblick

Kurz nach einer sechs wöchigen Magen-Darm-Krankheitsphase meines Kindes, die mich heute noch in grauenvollen Erinnerungen erzittern lässt, wenn ich Krankheitssymptome bemerke, brach ich beim Hören einer Podcastfolge in Tränen aus. Ich hatte die ersten Folgen des gerade erst vor Kurzem gestarteten „In 15 Minuten aus dem Mamsterrad“-Podcast von Judith und Imke hintereinander durchgehört und bei Folge 6 „Wann hast Du das letzte Mal etwas für Dich getan?“ brachen alle Dämme.

Ich schrieb Imke eine E-Mail und kurze Zeit später war ich bei ihr im Mama-Coaching. Meine Rettung, jemand, mit dem ich endlich reden konnte. Es gab mir genug Energie, um einen erneuten Anlauf zu nehmen, medizinische Hilfe zu bekommen. Das war ein knappes Jahr zuvor schonmal ziemlich abgewürgt worden und mir wurde suggeriert, ich stelle mich nur an, das sei alles normal nach einer Geburt und ich müsse Geduld haben. Schmerzen hatte ich seit der Untersuchung zwar weniger und seltener, aber die Inkontinenz war schlimmer geworden.

Mit der Hilfe von Imkes Begleitung wagte ich es also erneut und wurde zumindest mal an jemanden überwiesen, der als Spezialist galt. Dieser untersuchte mich und ich hatte endlich eine Diagnose, die bewies, dass ich mir das Ganze nicht einbildete. Eine unglaubliche Erleichterung für mich zu diesem Zeitpunkt. Einziges – von mir damals noch nicht erkanntes – Problem: ich war an einen Chirurgen geraten. Chirurgen operieren halt. Aber beraten nicht zu Alternativen, die ich zuvor hätte ausprobieren sollen. Das wusste ich nur alles nicht. Also entschied ich mich, unter dem Eindruck die Alternative sei weiter mit den Beschwerden zu leben und zu leiden, für eine Operation: der Uterus sollte raus und zwei weitere Maßnahmen, zu „Verstärkung“ des Ganzen. (Ich gehe hier bewusst nicht weiter auf Details zur OP ein, aber wenn Du dazu aus welchen Gründen auch immer Gesprächsbedarf hast, melde Dich bitte gerne bei mir.)

Fortsetzung folgt…

Jetzt melde ich mich (Bettina) mal kurz, denn Aimée und ich haben uns entschlossen, diesem Artikel den Frei-Raum zu geben, den er verdient: nächste Woche kommt dann Teil zwei und ich wünsche mir hier tatsächlich von dir, liebe Leserin, dass du ihn teilst, wo immer möglich. Aimeés Geschichte ist so persönlich und doch werden so so viele Frauen sich wiederfinden mit ihren eigenen Erlebnissen und Geschichten und wir müssen, dürfen, sollen endlich mehr darüber reden, was bei uns, so ganz tief drinnen los ist, damit wir selbst und doch auch die Generationen, die der unseren noch folgen werden, endlich authentischer, freier und erfüllter leben können. Ich danke dir dafür!

Hab einen guten Tag,

liebe Grüße

Aimée und Bettina, diealltagsfeierin.de

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